Australian Open 2006

February 14th, 2006

Neue Helden wie den jungen, herrlich erfrischenden Überraschungsfinalisten Marcos Baghdatis aus Zypern, positive Überraschungen aus deutschen Tennislanden durch die wieder erstarkten Nicolas Kiefer, Thommy Haas oder auch Dennis Gremmelmeyer, tragische Schicksale wie das von Kim Clijsters oder Justine Henin-Hardenne, die 4mal in Kraft tretende HEAT POLICY (Kombination aus Wind, Hitze und Luftfeuchtigkeit, die ab bestimmter Werte zu einem Abbruch des Turniertages führt!) und vieles mehr.

Ganz oben standen am Ende Roger Federer mit seinem siebten Grand Slam – Turniersieg und Amelie Mauresmo, die erstmals eines der großen Vier gewinnen konnte.

Die Französin profitierte auf dem Weg dorthin kurioserweise von drei Aufgaben ihrer Gegnerinnen. Einmalig in der Grand Slam Geschichte. In der dritten Runde erlitt Michaella Krajicek, die Stiefschwester des ehemaligen Wimbledonchampions einen Hitzeschlag zu Beginn des zweiten Durchgangs. Im Halbfinale knickte Kim Clijsters um und verletzte sich den Knöchel derart schwer, dass sie beim Spielstand von 2-3 im dritten Satz aufgeben musste und voraussichtlich 2 Monate pausieren wird. Zur großen Enttäuschung der über 15tausend Zuschauer in der Rod Laver Arena gab dann auch noch Justin Henin Hardenne im Finale bei 1-6; 0-2 auf. Sie hatte schon in der Nacht zuvor über starke Magenschmerzen geklagt und war unter diesen Umständen zu keiner Zeit eine ernsthafte Konkurrentin für Amelie Mauresmo. Die Französin war dennoch eine würdige Siegerin. Seit dem Triumph beim Masters zum Ende der Vorsaison ist sie vor allem mental ein großes Stück weiter gekommen. Zur Belohnung stand übrigens zuhause in Genf eine Flasche Rotwein, Jahrgang 1937 bereit.

Einige der gesetzten Spielerinnen waren schon früh gescheitert. So erwischte es Venus Williams bereits in der ersten Runde gegen die relativ unbekannte Bulgarin Tszvetana Pironka. Schwester Serena verlor nach zwei Pflichtsiegen dann gegen Daniela Hantuchova aus der Slowakei. Dazu verlor die hochgehandelt Marie Pierce schon ihre zweite Partie gegen die Tschechin Benesova.Überraschend war vor allem der Zweisatzerfolg von Julia Schruff gegen die an Nr. 9 gesetzte Russin Elena Dementieva. Ansonsten aber spielten die deutschen Damen bei diesem ersten Höhepunkt des Tennisjahres keine Rolle. Keine – auch Julia Schruff nicht - kam über die zweite Runde hinaus ... ernüchternd. Allein Anna Lena Gröneveld brachte es im Damendoppel zusammen mit Trainingspartnerin Shaugnessy mit dem Erreichen des Halbfinals auf einen Achtungserfolg.
Ansonsten gab es ein glänzendes Comeback von Martina Hingis nach drei Jahren Abwesenheit zu bestaunen. Nach dem Viertelfinalaus gegen Clijsters nach 3 Sätzen holte sich die 25 jährige „Miss Swiss“ mit dem Inder Bhupahti den Titel im Mixed.
Svetlana Kuznetsova, die langsam wieder in Form zu kommen scheint, verlor im Achtelfinale 2-6; 4-6 gegen die Weltranglistenerste Lindsay Davenport, die danach an Henin-Hardenne scheiterte und somit ihre Führungsposition in der Weltrangliste an Kim Clijsters abgeben mußte.
Zuverlässig wie immer DOWN UNDER Patty Schnyder. Die Schweizerin, die in Australien stets von einem eigenen Fanclub angefeuert wird, erreichte souverän das Achtelfinale. Danach aber war gegen die spätere Siegerin Mauresmo glatt in 2 Sätzen Endstation. Patty hatte einfach nicht zu Ihrem Spiel gefunden, konnte aber insgesamt mit dem Turnier zufrieden sein, denn das gute Ergebnis vom vergangenen Jahr hatte sie zumindest bestätigt.

Bei den HERREN wäre es wieder einmal zu der Einmann-Show des Roger Federer geworden, wenn da nicht dieser 20 jährige Zypriote Marcos Baghdatis gewesen wäre. Durch Siege unter anderem gegen die Top10 Spieler Roddick, Ljubicic und Nalbandian sorgte er wohl weltweit für eine neue MARCOMANIA. In seiner Heimat gab es während seiner Matches schulfrei, die Menschen tanzten tagelang auf der Straße, eine große Fankolonie (darunter 9 Onkel und 21 Cousins bzw. Cousinen) feuerte ihn zwischen den Ballwechseln erfrischend kultig und unverdrossen lautstark – aber fair - an, auf dem Speisezettel etlicher griechischer Restaurants wurde das Baghdati-Souvlaki geführt ... kurzum ... es war sein Turnier.
Wäre da nicht einmal mehr dieser unglaubliche Roger Federer gewesen. Der 24 jährige Weltranglistenerste zeigte sich in Abwesenheit der verletzten Raphael Nadal, Titelverteidiger Marat Safin und US Open Finalist Andre Agassi nicht unschlagbar, aber er war wieder einmal ... nicht zu schlagen. Sowohl bei seinen Viersatzerfolgen gegen Baghdatis im Finale (5-7, 7-5, 6-0, 6-2), Kiefer und Davydenko als auch im Achtelfinale bei seinem Fünfsatzkrimi gegen Thommy Haas zeigte er sich vor allem bei den BIG POINTS unglaublich stark. Bei der Siegerehrung zeigte der äußerlich so relaxte Federer dann erstmals Emotionen, als er bei seiner Rede zu weinen begann – vor allem weil ihm sein großes Vorbild Rod Laver die Trophäe überreicht hatte. Somit gab es also an der Spitze nichts neues ... dahinter aber schon. Auf deutscher Ebene gehörte zunächst die Aufmerksamkeit dem Qualifikanten Dennis Gremmelmeyer, der erst in der dritten Runde am Sensationsmann Baghdatis scheiterte. Nach einem Viersatzerfolg gegen Jonas Björkman aus Schweden kam sein großer Auftritt in der zweiten Runde. Gegen den an Nr. 13 gesetzten US Open Halbfinalisten Robby Ginepri gingen die ersten beiden Sätze verloren. Danach fightete der Linkshänder bravourös zurück und sicherte sich mit einem 6-3 im fünften Satz den größten Erfolg seiner Karriere.
Noch besser gestaltete sich das Auftreten von Nicolas Kiefer und Thommy Haas. Mit dem ehemaligen Kiefer Coach Hogstedt scheint Haas wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können. Im Achtelfinale lieferte er Federer – nach Siegen über Gasquet, Goldstein und Luczak - ein großes Match. Als einziger nahm er dem Schweizer zwei Sätze ab, konnte ihn am Ende aber doch nicht stoppen ... 4-6, 0-6, 6-3, 6-4 und 2-6 lautete das Resultat. Im Halbfinale versuchte dann Nicolas Kiefer, der zum ersten Mal in seiner langen Karriere in der Vorschlussrunde eines Grand Slam Turniers aufschlug, es besser zu machen. Doch Kiefer, der im Verlauf des Turniers gegen Srichaphan (nach 0-2 Satzrückstand), Pashanski, Ferrero, Chela und Grosjean viel Kraft gelassen hatte und zudem zu Beginn durch eine Knöchelverletzung gehandicapt war, gelang es ebenfalls nicht Federer beim 3-6, 7-5, 0-6, 2-6 ernsthaft zu gefährden.
Dennoch blieb am Ende, trotz einiger Erstrundenniederlagen unter anderem von Thomas Behrend (gegen den Spanier Feliciano Lopez) oder Rainer Schüttler (gegen Freund Lars Burgsmüller) sowie z.B. dem Aus in der zweiten Runde von „Flo“ Mayer gegen Roger Federer, aus deutscher Sicht ein erfreuliches Turnier.
Und zu guter letzt noch eine wirklich erfreuliche News. Denn auch bei den Australien Open durfte ein HEAD-Erfolg nicht fehlen. Bei den Junioren setzte sich überraschend der ungesetzte Franzose HEAD Team Elite Spieler Alexandre Sidorenko durch. Herzlichen Glückwunsch!
Die FRENCH OPEN können kommen.


Close